Rajasthan-Tour

Samstag, 7. September
Wir starten unsere Tour durch Rajasthan. Salim holt uns ab und wir fahren nach Mandawa und benötigen ganze 8 Stunden statt wie vom Reisebüro angekündigt 4-5 Stunden. Mandawa ist ein Dorf mit 35’000 Einwohner und bekannt für seine Havelis (Haveli bedeutet „grosses, kunstvoll verziertes Haus).“ Ein Guide von unserem Hotel führt uns herum, zeigt und erklärt uns die verschiedenen Havelis. Auch unser Hotel ist reichlich mit Gemälden verziert.

Sonntag, 8. September
Heute geht’s nach Bikaner. Nach etwa vier Stunden erreichen wir die Stadt. Wir besuchen das Junagarh Fort (ein Fort ist eine Festung). Wir gesellen uns zu zwei Israelis und machen die geführte Besichtigung des Forts gemeinsam mit etwa 30 Indern zusammen. Den Indern zuzuschauen ist für uns fast genauso interessant wie das Fort selber. Es ist ein Gedränge… Irgendwann verlieren wir vier unsere Gruppe und begeben uns selber hinaus. Weiter geht’s zum „Rattentempel“ (dem Karni Mata-Tempel in Deshnok) welcher ca. 30 Kilometer entfernt liegt. Der Tempel ist einer der ausgefallensten Sehenswürdigkeiten in Indien. Die Schuhe muss man ausziehen, überall im Tempel laufen hunderte von Ratten herum… Diese werden von den Gläubigen als wiedergeborene Seelen betrachtet. Der Boden dieses Tempel’s wird von den Indern mit dem Kopf berührt. Für uns ist dieser Besuch sehr speziell, barfuss im Kot und allem was herumliegt zu laufen. Etwas eklig ist das Ganze also schon. Wir fahren zurück ins Hotel und gönnen uns und vor allem unseren Füssen eine Dusche. Wir essen im Innenhof vom Hotel Abendessen bei gefühlten 35 Grad, heisssssssss.

Montag, 9. September
Heute fahren wir Richtung Jaisalmer. Am Strassenrand sind mehrere 10’000 Pilgerer unterwegs. Diese laufen zu einer heiligen Stätte, wohlverstanden bei über 35 Grad und in den Abgasen und Dreck vom Strassenrand. Wir fahren fast ganze zwei Stunden und während dieser Zeit überholen wir all diese Pilgerer, wahnsinn… Nach 7 Stunden Autofahrt erreichen wir das Wüstendorf Khuhri welches südwestlich von Jaisalmer liegt. Die Fahrt war anstrengend und Salim (unser Fahrer) fuhr zum Teil wie ein Verrückter. Sam hat mehrmals ein „Stossgebet“ ausgeprochen – und wie der Strassenzustand ist könnt ihr euch wohl vorstellen… Mit Kamelen geht’s nun durch die Tharwüste, querfeldein durch Büsche und Sanddünen. Wir geniessen einen wunderschönen Sonnenuntergang und reiten zurück. Mein „Kameljunge“ findet es super wenn mein Kamel galoppiert. Mein Arsch… Nach dem Nachtessen geht’s nochmals in die Wüste wo wir unter freiem Himmel übernachten. Der Sternenhimmel sieht fantastisch aus – wow!

Dienstag, 10. September
Was für ein Erwachen in der Wüste mit Sonnenaufgang… Wir fahren mit dem Auto 42 Kilometer nach Jaisalmer. Jaisalmer liegt im westlichen Zipfel von Rajasthan und wird als Wüstenstadt „par excellence“ bezeichnet und auch als „Goldene Stadt.“ Wir befreien uns mit einer Dusche vom Kamelgeschmack und besuchen anschliessend mit einem Guide das bekannte Fort. Wahnsinn, wie vor hunderten von Jahren alles gebaut wurde. Die Gebäude bestehen aus Sandstein und die Fenster und Balkone wurden aus Teekholz (von Burma) geschnitzt, gewaltig. Unser Guide erzählt uns auch, dass sich früher die verwitweten Frauen im Innenhof ins Feuer warfen. Verwitwete Frauen haben noch heute in Indien keine Chancen auf ein „normales Leben.“ Der Glaube sagt, dass wenn ein Mann verunfallt oder umkommt, die Frau schuld ist an seinem Tod. Sie darf nicht wieder heiraten und darf auch nicht arbeiten gehen, sehr hoffnungslos… Unser Hotel hat einen Pool, so verbringen wir den Nachmittag dort.

Mittwoch, 11. September
Die Fahrt nach Jodhpur dauert ungefähr 5 Stunden. Dort fährt uns Salim zum Meherangarh Fort. Wie schon das in Jaisalmer liegt auch dieses hier erhöht von der Stadt und ist riesig. Wir essen im „Omelette Shop“ Omeletten. Dieser Shop ist an einer Strassenecke mit viel Verkehr. Der Besitzer bereitet dort seit den 1970er Jahren verschiedenste Omeletten zu und ist in der ganzen Stadt bekannt. Auch im Lonely Planet ist er erwähnt. Wir schlendern durch den Markt und schauen dem Treiben zu – wahnsinn dieser Verkehr… In einem bekannten Shop in der Nähe des Uhrenturms trinken wir noch einen meeeeega feinen LassiJ

Donnerstag, 12. September
Um 8.30 fahren wir los mit Ziel Richtung Udaipur. Unterwegs besuchen wir noch den Jain Tempel in Ranakpur (90km nördlich von Udaipur) – es ist dies der grösste seiner Art in ganz Indien und er ist aus Marmor gebaut. Nach dem Mittagessen bekundet Salim immer mehr Schwierigkeiten seine Augen offen zu halten („lunch is not good for me“ sagt er…) und für uns auch nicht (wir stehen Ängste aus) – wir versuchen ihn in ein Gespräch zu verwickeln und halten schlussendlich an für eine Billy zu rauchen. Danach geht’s und wir erreichen unser Hotel am Pichola See. Sehr zentral und ideal gelegen für die Sehenswürdigkeiten zu Fuss zu besuchen. Wir erkunden die Stadt und finden auch schon eine gute Beiz um einen sensationellen Lassi zu geniessen.

Freitag, 13. September
Super, dass wir einen zweiten Tag in Udaipur haben – die Rundreise ist ziemlich taff und die Autofahrten lang. Somit bleibt Zeit um den Stadt-Palast zu erkunden – eindrückliche Grösse. Bei einer Bootsfahrt gibt’s noch einen weiteren Blick auf den Palast  und zudem gibt’s einen Halt auf der Insel Jag Mandir welche von steinernen Elefanten bewacht wird.  Später geht’s auf den Bazar und dann weiter zum Nachtessen. In der Stadt ist immer noch Festival und wir setzen uns auf eine Mauer und sehen dem Treiben zu. Es sind vor allem Kinder die sich bei lauter Musik „austoben“ und wir werden immer wieder angesprochen. Sowieso möchte wohl jeder in der Stadt wissen, aus welchem Land man ist… danach hört der englische Wortschatz aber schon bald auf.

Samstag, 14. September
Obwohl Salim sich am Donnerstag ziemlich schnell vom Acker gemacht hat, gehen wir davon aus, dass wir wie üblich um 8.30 Uhr losziehen. So ist es dann auch und wir fahren rund 7 Stunden inkl. Tee und Mittagshalt nach Pushkar. Salim hat wiederum Probleme mit dem Schlaf – heute Tanken wir das Auto und dann geht’s auch wieder besser. Unser Hotel hat einen Pool und wir kühlen uns ab. Im Garten machen wir es uns gemütlich und lassen den Tag ausklingen.

Sonntag, 15. September
Wir laufen am Morgen ins Städtchen. Nach einem Lassi sind wir bereit für den Brahma Tempel. Zuerst werden wir mit Blumen und Zucker eingedeckt. Die Schuhe bleiben in einem Regal und der Fotoapparat muss ins Schliessfach. Im Tempel begleitet uns ein Mann und erklärt uns den Ablauf, wo man Blumenblätter streut, wo Zucker usw. Das Ganze ist uns sehr fremd und wir sind ihm für seine Hilfe dankbar, alleine wären wir etwas verloren mit dieser Zeremonie und den vielen Leuten. Zurück beim Ausgang wollen der „Schuh-Aufpasser“ und der „Schliessfach-Mann“ natürlich Geld – wie immer… Unser „Helfer“ natürlich auch. Wir erhalten noch Blumen, um diese in den See zu streuen. Pushkar ist bekannt für seinen heiligen See. Das Seewasser soll die Seele von sämtlichen Befleckungen reinigen. Am See wird man dazu angehalten, den Pushkar Puja zu vollziehen. Aus Respekt machen wir beim Ritual mit. Dies bedeutet, das man dem Priester Gebetsformen nachspricht, Rosenblätter in den See streut, wieder Gebetsformen nachspricht, wieder Blätter in den See streut und zuletzt wird die Stirne mit einem roten Fleck bemalt. Als sichtbares Zeichen für die Ableistung der „Puja“ erhält man ein rot-gelbes Tempelband ums Handgelenk. Dann geht’s noch darum, eine Spende zu geben (es spiele überhaupt keine Rolle wie viel man spenden möchte…). Mein Priester machte es geschickt –klassisch wie’s im Reiseführer steht – fragte er mich, wie viele Familienmitglieder ich habe. Dann fragte er mich, wie viel Geld ich spenden werde. Ich sagte ihm ich werde 100 Rupien spenden (umgerechnet Fr. 1.40). Er lacht mich aus, das sei viel zu wenig… Ich müsse für jedes Familienmitglied umgerechnet mindestens Fr. 10.- bezahlen (was ja in Indien sehr viel Geld ist). Ich habe eine riesen Diskussion mit ihm. Wir können uns nicht einigen, er wird wütend und legt mir das Band nicht ums Handgelenk. Ich warte auf Sam. Bei ihm ging alles friedlicher zu und her. Schlussendlich feilscht mein Priester auch noch mit Sam. Entweder wir bezahlen mehr als Fr. 50.- oder gar nichts und sollen verschwinden was wir dann auch machen. Er ruft uns noch nach, dass wir kein Glück haben werden usw. Von allem was er mit mir vor ein paar Minuten „zusammengetextet“ hat wünscht er mir nun das Gegenteil. Das ist doch richtig nett…

Montag, 16. September 2013
Wir treffen bereits um 6 Uhr Salim der uns zum Ausgangspunkt zur rund 30 Minuten Bergwanderung führt. Die Wanderung führt hoch zum Gayitri-Tempel – bei Sonnenaufgang. Herrlich. Nebst den Affen gibt es auch viele Pilgerer, welche unterwegs sind. Wir werden mehrmals für Fotoshootings benutzt – aber die Leute sind sehr angenehm und haben scheinbar auch an uns Freude, dass wir bereits frühmorgens unterwegs zu einem Tempel sind. Um 11 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Jaipur. Dort angekommen, gibt’s einen Wala Lassi. Wala Lassis sind in der Stadt bekannt und werden aus „Tonchacheli“ getrunken – super! Salim fährt uns zu einer Juwelier-Fabrik. Doch das Ganze entpuppt sich wieder einmal als Kommissionsaufenthalt – Sam muss sich ziemlich zusammen reissen und stellt sich so desinteressiert wie er nur kann. Das Ganze ist dann ziemlich schnell abgehandelt und wir verabreden uns von Salim in der Pink-City. Jaipur ist auch unter dem Namen Pink-City bekannt, da die Häuser im alten Stadtteil alle pink angestrichen sind. Danach sind wir zu Fuss rund 1 ½ Stunden unterwegs – die Anordnung der Läden ist interessant. Nach Apotheken folgen Veloshops, Gewürzhandel, Kleiderläden dann wieder eine Messerschleiferei undundund… Wir lassen den Abend ausklingen.

Dienstag, 17. September
Am Morgen steht das Elefantenreiten hoch zum Fort Nahargarh an. Nur weil das Ticket schon in unserem Angebot drin ist machen wir mit – ist extrem touristisch und unglaublich aufdringliche Verkäufer sind vor Ort. Das Fort ist massiv gross, verwinkelt und bietet eindrückliche Blicke hinter die Kulissen inkl. Fledermäusen… Runter geht’s zu Fuss. Den Nachmittag verbringen wir mit Sightseeing und Fotostopps bei Hawa Mahal (die Fassade ist berühmt und Teil vom UNESCO Weltkulturerbe). Anschliessend geht’s zum Jantar Mantar (ebenfalls UNESCO) welches erbaut wurde um die Zeiterfassung zu demonstrieren. Danach wird’s Zeit für den ersten Mc Donald’s Besuch. Am Abend ist Kino angesagt. Das Kino hat 1500 Sitzplätze und scheinbar ist’s immer ausverkauft obwohl der gleiche Film 4x täglich und über eine längere Zeit läuft. Super Erlebnis welches wir mit einem Spanier-Paar teilen. Die Inder klatschen immer wieder in die Hände und rufen – ein richtiges Fest… Auch der Film ist gut – ist sogar in Jaipur gedreht worden und zeigt die Wandlung der Eheschliessung von damals und heute in Indien. Extrem aktuelles Thema.

Mittwoch, 18. September
Am Morgen wird noch schnell der Affentempel besucht. Bei der Anfahrt gibt es fast einen Töff-Crash – Salim war wieder einmal ziemlich grenzwertig unterwegs. Nach dem Tempel fahren wir nach Agra. Dort besuchen wir einen Bazar und Salim fährt uns in ein „gutes Restaurant“ und macht uns davor noch aufmerksam auf das Trinkgeld für unsern Rajasthan-Trip und das er das Trinkgeld gerne heute Abend hätte… Während dem Abendessen (ist ausser den hohen Preisen nichts Spezielles – ach doch – saukalt ist’s wegen der Klimaanlage) rätseln wir über die korrekte Höhe vom Trinkgeld. Später übergeben wir ihn einen für uns angemessenen Betrag – Salim versichert uns, dass dies sehr wenig sei aber er den gleichen Service bieten werde. Wir werden sehen und freuen uns auf Morgen – Taj Mahal ruft!!!

Donnerstag, 19. September
Morgens um 05.30 ist Tagwach. 05.45 wollte uns Salim abholen. Salim ist aber nirgendwo. Wir warten 10 Minuten, dann spricht uns ein Hotelmitarbeiter an, ob wir jemanden suchen. Er sagt uns, Salim sei noch am schlafen. Er bittet uns in die Lobby wo’s wie vorhin noch ganz dunkel ist. Dort auf dem Sofa entdecken wir Salim… Er fährt uns zum Westeingang des Taj Mahal. Wir laufen ca. 5 Minuten zum Ticketcorner. Von dort geht’s wieder 10-15 Minuten, bis wir den Eingang erreichen. Ich habe die „Arschkarte“ gezogen. Meine Handtasche wird etwa 10 Minuten genaustens untersucht und alles wird ausgeräumt. Den Mückenspray, den Kaugummi, das Kartenspiel und die kleine Lampe welche wir von Susanne und Simon haben dürfen wir nicht mitnehmen… Es hätte beim Ticketcorner Schliessfächer. Wir denken uns, dass dies ein Witz ist. Aber nein, es ist tatsächlich so. Entweder läuft man wieder ca. 30 Minuten hin und zurück oder man wird seine Sachen los. Sam entscheidet sich, unsere Sachen zu verstecken. Wir treten ein in die Welt des Taj Mahal – was für ein Anblick, wowwwJ Wir knipsen wie die Wilden. Das Gebäude gilt als eines der schönsten der Welt. Bei unserem Versteck suchen wir vergebens nach unseren Utensilien, alles weg… War ja eigentlich auch klarL Später geht’s zurück nach Delhi. Kurz bevor wir das Reisebüro erreichen, hält Salim mitten auf der Strasse nochmals an und erwähnt nochmals, dass unser „Tip“ wirklich sehr klein sei und ob wir noch mit anderen Touristen darüber gesprochen hätten. Es fängt schon wieder an… Sein Charma sei nun schlecht. Es wird langsam mühsam. Er wolle uns nicht pushen, aber… Im Büro angelangt unterhalten wir uns mit den Jungs von dort. Sie möchten uns ein Package verkaufen für Kerala. Wir lehnen dankend ab. Salim fährt uns noch ins Hotel und will wissen, ob wir morgen noch einen Driver brauchen für ein Sightseeing durch Delhi. Wir lehnen auch hier dankend ab. Im Hotel sagt er uns noch knapp „ade“ und geht. Schade, dass wir uns nach diesen 12 Tagen so verabschieden müssen…

Freitag, 20. September
Wir schlafen aus und essen Frühstück. Dann machen wir uns mit einem Tuk Tuk auf den Weg zum Hotel Taj Palace. Dort erwarten wir Marie-Louise. Sie ist die Tante meiner ehemaligen „Hüeti-Kinder“ und wohnt in Delhi. Gemeinsam geniessen wir das feine Mittagsbuffet und die nette Unterhaltung auf „Lauterbrunnen-Deutsch“J Am Dessertbuffet schlagen wir auch zu, endlich wieder mal etwas Süsses und einen guten Cappuccino. Auf Empfehlung von Marie-Louise besuchen wir den Khan Markt. Dort ist es richtig friedlich. Keine mühsamen Verkäufer welche einem in den Laden schleppen möchten, kein „hello my friend, where are you from,“ keine komischen Blicke und nicht riesen Menschenmassen. Wir geniessen’s, gönnen uns ein Bier und kehren anschliessend zurück ins Hotel. Morgen ruft Kerala – Straaaaaand 🙂

2 Kommentare zu „Rajasthan-Tour

  1. Hey ihr zwei….spannender Bericht. Habe fast die gleiche Tour gemacht und zur Überraschung genau die gleichen Erfahrungen gemacht. Sowohl mit dem Fahrer – unsere Fahrer hat immer während der Autofahrt Bier gesoffen – als auch die tolle Zeremonie in Pushkar am See und die Spende, das war mir echt too much. Dachte damals nur Marc kann so doof sein und auf sowas reinfallen, aber auch ihr habt das über euch ergehen lassen 🙂 🙂 Ebenfalls hat uns der Fahrer nach unsere 10-tägigen Tour so verabschiedet, genau gleiches Prozedere. Egal Indien ist mega…bin schon ein bisschen neidisch, wenn ich über eure tollen Erlebnisse lese. However…geniesst die Zeit. Hier gibts nicht viel Neues, business as usual, freu mich mega auf den Winter, ihaaa

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