Die Kashmir Chicken-Story

Nach einem erfolgreichen Flug aus der Schweiz nach Amman und weiter nach New Delhi sind wir noch am selben Tag nach Srinagar weitergeflogen (rund 36 Stunden wach…). Während drei Nächten haben wir ein Hausboot am Nageen-See bezogen. Nach reichlicher Erholung, dem schwimmenden Blumen und Gemüsemarkt sowie Sightseeing zu den Mogul Gärten haben wir uns für eine Trekking-Tour im Kashmir entschieden:

Die Kashmir Chicken-Story

Gestatten, dass ich mich vorstelle? Geboren bin ich in Pahalgam, einem Ausgangsort für Trekking-Touren im Kashmir, genauer im Lidder-Valley. Täglich ein Kampf ums Essen war Hauptbestandteil meiner Hühnerkindheit. Doch dann kam mein grosser Tag. Am Samstag, 24. August 2013 werde ich mit vier weiteren Kollegen auserwählt. Wir werden in einem Jeep nicht ganz sanft nach Aru (2400 M.ü.M.) transportiert. Mit dabei sind auch noch fünf Pferde, Kochzelt, Schlafzelt und Material für mindestens sechs Tage in der Natur zu verbringen. Zudem erkenne ich insgesamt sechs Leute. Zwei davon scheinen von weit her angereist zu sein – sie sind fast so bleich wie meine Hühnerkollegen nach der Autofahrt. Da es schon später Nachmittag ist, wird ein Nachtplatz gesucht und die Zelte aufgebaut. Wir staunen nicht schlecht über das viele Material. Zum Glück werden uns schon mal die Flügel gestutzt – ich war noch nie ein Freund vom Fliegen. Doch einem meiner Chicken-Friends ist dies schon zu viel – sein Herz steht still.

Am nächsten Tag bewundere ich aus nächster Nähe, wie die Pferde beladen werden. Auch ich habe meinen Platz mit meinen Freunden auf dem Pferderücken. Uns sind die Beine zusammengebunden worden – dabei käme es mir doch nicht im geringsten in den Sinn, die 16 km hochzulaufen. Auch der eine Guide kann ich auf dem Pferd erkennen – er ist wohl gleichfaul wie ich. Der Weg führt uns durch Wälder, Hochebenen und Felswege. In unserem Hühnerstall hing eine Postkarte aus der Schweiz – ich muss sagen, es sieht hier sehr ähnlich aus. Die Pferde leisten grossartige Arbeit. Aber bei einem steilen Wegstück geschieht’s: Das Pferd vor uns kommt ins schlittern und will ein anderes Pferd überholen – Platz hat’s auf dem schmalen Weg aber nur für eins. Das äussere Pferd rutscht unfreiwillig den Hang hinunter und bleibt samt der Packung liegen. Das andere touchiert mit der Ladung noch das weibliche Bleichgesicht, alle anderen können zum Glück ausweichen. Vor lauter Aufregung gackern meine Chicken-Friends wild durcheinander. Wie durch ein Wunder ist nichts passiert. Wenig später wird auf rund 2’700 M.ü.M. das Nachtlager aufgebaut.

Der Tag danach wartet mit einem für die Pferde schwierigen Aufstieg auf. Bäche werden durchquert – die Wanderer stehen Hüfthoch im Wasser – und immer wieder rutschen die Pferde aus. Die teils verblockten Wege sind nicht ihr Terrain. Bei einem See auf 3’800 M.ü.M. wird wiederum das Nachtlager aufgebaut. Unerklärlicherweise verschwinden täglich zwei Freunde von mir! Eigentlich ganz praktisch denke ich mir – so bleibt mehr Platz auf dem Pferderücken. Dem männlichen Bleichgesicht bekommt die Höhe scheinbar nicht besonders. Wenn er nicht im Zelt ist, verschwindet er hinter einem grossen Stein und wenig später steigt ein Feuerräuchlein in die Höhe.

Der Abstieg am nächsten Tag wird nass. Damit werden die Steine noch glatter. Prompt rutscht mein Pferd aus und liegt Kopf Talwärts zwischen den Steinen. Ich sende ein Stosgebet zum Hühnergott. Es sieht nicht gut aus. Die Männer sind am rätseln und versuchen alles – doch das Pferd will einfach nicht aufstehen. Bei einem letzten Versuch klappt’s und wie durch ein Wunder kommt das Pferd mit Schrammen davon. Alle sind froh, endlich das Nachtlager erreicht zu haben, welches für zwei Nächte bezogen wird. Die Wanderung zum Gletscher mache ich nicht mit. Erstaunlicherweise aber das Bleichgesicht – welches nicht weniger oft hinter den Felsblöcken verschwindet. Der weiblichen Begleiterin scheint dies alles nichts auszumachen. Da frag ich mich, wer hier genau das starke Geschlecht darstellt…

Beim Abstieg am nächsten Tag wird noch eine Gypsy-Familie besucht – die Familie eines Guides. Erstaunlich, mit wie wenig die Familien während den Sommermonaten in Zelten lebend auskommen. Der Abstieg ist geschafft und in Aru wird zum letzten Mal das Zelt aufgebaut. Ich bekomme auf einmal sehr viel Zuneigung…

Ein Kommentar zu „Die Kashmir Chicken-Story

  1. hallo dier zwöi

    schöni homepage heit er da. ha grad d chicken story gläse. he die isch „hennä“ göd gschribä.

    er heid rächt läbid er euwä tröim! ds einzig richtig so.

    gnessits, i freuwä mi ufne nechschti gschicht.

    lg

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