Von einem Spanier wurde ich in Neuseeland auf den Cotopaxi aufmerksam gemacht. Seit dem war für mich klar, dass ich auf den höchsten aktiven Vulkan der Welt hochsteigen will. Das dies gemeinsam mit Andrea gelang, war umso schöner.
Um 10 Uhr fahren wir los. Nebst unserem Bergführer Chasky kommt auch Ela, Geschäftsführerin vom Hostel mit. Ihren Guide Iama, welcher auch schon mit dem Präsidenten Rafael Correa Bergsteigen war, laden wir unterwegs auf (Vorschrift pro zwei Personen einen Guide). Ebenfalls unterwegs gibt’s Mittagessen und im Verlauf vom Nachmittag erreichen wir den Nationalpark Cotopaxi. Wir stellen unsere Zelte auf und richten uns ein. Dann gibt’s noch ein kurzes Briefing betreffend Steigeisennutzung. Um 17 Uhr heisst es bereits Abendessen. Kurz nach 18 Uhr legen wir uns ins Zelt. An Schlaf ist nicht wirklich zu denken. Mein Bauch scheint wieder einmal etwas nicht vertragen zu haben. Ein normaler Toilettengang bleibt erfolglos. Die Krämpfe werden schlimmer und die Spucke lässt schlimmes erahnen… um 22 Uhr nehme ich das Schicksal in die Hand und verlasse das Zelt Richtung Busch… Um 23 Uhr gibt’s Frühstück und mit erstaunen nehmen wir zur Kenntnis, dass alle anderen bereits aufgebrochen sind oder gerade auf dem Sprung sind. Meinem Bauch geht’s etwas besser und ich knabbere eine Scheibe Brot. Andrea fühlt sich gut. Muss wohl am Fleisch gelegen haben. Ich mutiere wohl irgendwann noch zum Vegetarier hier in Südamerika.
Um 24 Uhr brechen auch wir los. Zuerst geht’s mit dem SUV auf rund 4’600 Meter über Meer. Von dort brechen wir bei sturmartigem Wind und im Nebel um 00.45 Uhr los. Am frühen Abend war der Cotopaxi noch wolkenlos. Hoffentlich haben wir Wetterglück. Der Cotopaxi ist höchster aktiver Vulkan (5’897 MüM) und gilt durch seine Kegelform einer der schönsten Berge weltweit. Er ist nicht technisch, führt aber über einige Gletscherspalten und man muss konzentriert und Steigeisen geübt sein. Beim Refugium José-Ribas auf 4’800 Meter gibt’s eine kurze Verschnaufpause. Mein Bauch macht sich wieder bemerkbar. Kurz darauf passiert’s und ich erbreche mehrmals in die dunkle Nacht hinaus. Chasky möchte schon die Seilschaften ändern. Ich winke ab und wir ziehen weiter um kurz darauf die Steigeisen beim Gletschereinstieg zu montieren. Wahrscheinlich nicht die optimalste Vorbereitung ohne Nachtessen und Morgenessen im Bauch auf eine solche Tour aufzu(er)brechen. Na ja – mal schauen wie weit wir kommen. Wir sind definitiv die letzten die zum Gipfel aufbrechen. Die Stirnlampen verraten die anderen rund zehn Gruppen. Ela fühlt sich auch nicht gut und leidet an Fussschmerzen. Autoschlüssel wird übergeben und Andrea und ich ziehen mit Chasky weiter. Immer wieder überholen wir andere Seilschaften aber es will einfach nicht Tag werden. Wir müssen beide leiden. Der Wind bläst unaufhörlich und zieht durch alle Ritzen sobald wir rasten. Die Konzentration beim Aufstieg ist voll auf den Weg gerichtet. Der Weg wird steiler und die Luft noch dünner. Bei einer kurzen Pause wage ich mich zu fragen, wie lange es wohl noch geht. Vielleicht zwei Stunden – wenn’s rund läuft 90 Minuten. Mio madre…
Endlich wird es hell und gleichzeitig gibt auch meine Stirnlampe den Geist auf – Timing. Dann noch 35, 15, 5, 2 Minuten und wir stehen auf dem Gipfel – so hoch wie noch nie in unserem Leben. Erstaunt nehmen wir zur Kenntnis, dass wir sogar die ersten sind an diesem Tag. Die Sonne scheint und der Nebel kreist auch schon, zudem ist es eiskalt. Alles an uns ist gefroren, der Karabiner lässt sich fast nicht mehr öffnen. In der Ferne sehen wir sogar noch den Tungurahua-Vulkan Ausbruch. Zum Glück hat der Cotopaxi Feuerpause…
Kleiderwechsel, Fotoshooting, kurze Verpflegung und schon befinden wir uns wieder auf dem Abstieg der 1’300 Höhenmeter. Unterwegs nehmen wir uns diesmal Zeit für Fotos und erreichen um 9.45 Uhr den Ausgangspunkt. Auf dem Camping warten noch die Zelte zum abräumen und dann fahren wir gemeinsam die zwei Stunden zurück nach Quito – mehrheitlich schlafend wohlverstanden…
Für Andrea und mich war es ein unglaubliches Erlebnis und wir waren überglücklich die Tour bis zum Gipfel durchgestanden zu haben. Wir haben nun mal beide „Bärner Gringe“ oder in den Worten von Chasky „un cabeza como una roca“.
Um 13 Uhr sind wir retour und nehmen eine wohlverdiente Dusche. Anschliessend geht’s zum Mittagessen und später packen wir unsere Rucksäcke für die Amazonas Tour. Wir haben ja noch eine 10 stündige Busnachtfahrt vor uns…



















