Wir drücken die Schulbank in Sucre, finden uns in der Grossstadt La Paz zu recht, bewältigen die Todesstrasse und erleben mit dem Titicacasee das höchstgelegene schiffbare Gewässer der Erde.
Uns kommt es manchmal spanisch vor hier in Südamerika… Wenigstens den sprachlichen Herausforderungen möchten wir uns stellen und buchen zwei Wochen Privatunterricht. Wir wohnen in Sucre bei Edith und Pepe zusammen mit den Kindern Luciana und Mateo sowie dem Hund Coco. Unsere Lehrerin Edith hämmert uns drei Stunden am Morgen Verbos, Vocubalario und natürlich auch Zeiten ein. Nachmittags dürfen wir dann Hausaufgaben machen. Muy bien…
Wir kochen in den zwei Wochen auch für die Familie und Verwandte. Es gibt Älplermagronen mit selber gemachten Apfelschnitzen und zum Dessert einen Schokoladenkuchen (die Schokolade in Sucre ist berühmt). Die Zutaten kaufen wir auf dem Markt in Tarabuco ein. Der Markt begeistert mit Farbenpracht nicht nur die Touristen. Auch Einheimische decken sich jeweils am Sonntag mit allermöglichem ein. Zu unserem Abschiedsmittagessen kredenzen wir noch eine Rösti mit Spiegelei. Bertha und vor allem Pepe ist begeistert. Die Zeit in der weissen Stadt (konstitutionelle Hauptstadt von Bolivien) fliegt viel zu schnell vorbei – wir haben die gemütliche Atmosphäre der Stadt und Bertha’s Familie lieb gewonnen. Am Abend fahren uns die Beiden zum Busbahnhof in der Meinung, dass der Bus um 19.45 fährt. Es hat unglaublich Verkehr und wir sind auf Schleichwegen unterwegs. Kurz vor 19.30 Uhr erreichen wir die Station, checken unser Gepäck ein und prüfen noch einmal unser Ticket. Oh Schreck… der Bus fährt schon um 19.30 Uhr – also jetzt! Schnell eine Umarmung mit Bertha und Pepe und schon hüpft Andrea in den Bus. Die Tür schliesst sich gleich hinter ihr und fährt los… kurzes Fensterklopfen reicht und ich werde auch noch reingelassen. Doch unser Gepäck wurde für den 19.45 Uhr Bus eingecheckt. Mit unseren erlernten Spanischkenntnissen und mit Hilfe von Andrea’s blonden Haaren haben wir den Busbegleiter auf unserer Seite. Non problema…
Zwölf Stunden später erreichen wir La Paz. Wir haben die Nachtfahrt auch ohne Toilette überstanden. Nach etlichem hin- und her kriegen wir auch noch unsere Rucksäcke zurück. Wir checken in unserem Hostel ein und machen uns auf den Weg zum Hexenmarkt. Den Lamafoeten können wir nichts abgewinnen – den Stricksachen dafür umso mehr. Am nächsten Tag steht schon die unglaublich vermarktete Touristentour „the death road“ per Mountainbike an. Andrea bevorzugt anstelle einen Shoppingtrip… Die „Worlds Most Dangerous Road“ war früher die einzige Verbindung nach Brasilien und gelangte durch die unzähligen Unglücke mit vielen Todesfällen zu Bekanntheit. Heute wird die Strasse vor allem mit Mountainbikes und ab und zu immer noch von Autos befahren. Beim schlimmsten Unglück jedoch sind zwei Busse rund 200 Meter in die Tiefe gestürzt und sorgten für rund 100 Tote.
Das Wetter ist schlecht und die Sicht nicht optimal. Der Boden wird somit noch ein wenig rutschiger. Es heisst Vorsicht walten lassen… Immer wieder gibt es Fotosessions. Drei Mal stürzt unmittelbar vor mir jemand aus unserer Gruppe. Doch nicht’s schlimmeres passiert. Später hat auch noch einer einen platten Reifen – auch wieder vor mir fahrend… Wir bewältigen die Strecke sonst aber ohne grössere Probleme. Auf einem Markt kaufen wir Bier und dann geht’s zu einem Hotel wo wir eine Dusche nehmen können und ein Mittagsbuffet (um 15.30 Uhr) kriegen. Alles tiptop und auch die Rückfahrt nach La Paz verläuft ohne Probleme.
In La Paz finden aktuell Festivitäten anlässlich der Präsidentschaftswahlen statt. Wir erkunden die Stadt meist zu Fuss oder mit Mikrobussen und fahren schlussendlich auch noch mit der hypermodernen Gondelbahn. Beeindruckend, wie die Bahn über die Häuser gebaut wurde – in der Schweiz undenkbar.
Wir verlassen La Paz ohne kriminelle Erfahrungen gemacht zu haben – hören aber zweimal von Touristen, dass sie in Taxis ausgeraubt wurden. Per Bus fahren wir nach Copacabana. Das touristische Städtchen am Titicacasee soll für viele das Highlight sein. Dies trifft auf uns nicht zu. Das Beste ist die Bekanntschaft mit Denise und Yves. Die zwei sind am flittern und wir wandern gemeinsam auf der Isla del Sol, welche landschaftlich spektakulär ist. Gemeinsam verbringen wir einen gemütlichen Abend und tags darauf wird nach dem Frühstück ein flotter Jass geklopft. So endet unsere Zeit in Bolivien ziemlich schweizerisch und auch die Ausreise nach Peru verläuft reibungslos. Nächster Halt Cusco…
Fussgänger haben es nicht leicht in Bolivien – Sucre hat eine Lösung parat from Samuel Bichsel on Vimeo.



































































