Vietnam

Rund drei Wochen verbringen wir in Vietnam. Dabei begleitet uns unser Freund Lukas Kienesberger während zwei Wochen. Wir treffen uns in Bangkok von wo aus wir gemeinsam nach Ho-Chi Minh City (Kurz HCMC und ehemals Saigon) weiterfliegen. Unser Flug hat technische Probleme. Darum fliegen wir anstelle von Turkish Airline mit Thai Airways – da sagen wir nicht nein…Nach rund 30 Stunden Reisezeit – wir sind ja am Freitag Morgen in Varkala (Indien) gestartet – erreichen wir um 19.30 Uhr HCMC und machen uns nach dem einchecken im Hotel auf in die Stadt. Wir haben uns ja schliesslich einiges zu erzählen und das Wiedersehen muss natürlich auch mit einem Bierchen begossen werden.

In HCMC bleiben wir für 3 Nächte und sehen das War Museum (Kriegsmuseum), den Saigon River, den bekannten Markt Ben Thar, das Independent House (das Weisse Haus von HCMC), die Notre Dame und das altehrwürdige Postgebäude. Die Stadt finden wir sympathisch. Viele Sehenswürdigkeiten sind zu Fuss erreichbar. Zudem besuchen wir die Tunnelanlage von Cuchi. In diesen unterirdischen Anlagen versteckten sich während des Krieges die Vietnamesen vor den Amerikanern.

Danach zieht es uns weiter Richtung Norden. In Mui Né finden wir eine herrliche Bungy Anlage direkt am Meer welche sogar inkl. Frühstück in unser Budget passt. Hier treffen wir auch wieder die zwei deutschen Mädels die wir bereits in HCMC kennen gelernt haben. Gemeinsam machen wir einen Ausflug zu den roten Sanddünen. Kiten ist in Mui Né sehr populär – doch die Wetterbedingungen sind nicht allzu gut gemeldet und wir verzichten auf einen Kurs. Wir spielen viel Karten (Rummy) und lassen es uns kulinarisch gut gehen. Es gibt viele Russen hier und die meisten bestätigen ihr Klischee hervorragend… „unser Russe“ kannte weder die Schweiz noch Deutschland, kommunizierte mit uns in hervorragendem russisch, und bei seiner flotten Biene fortgeschrittenem Alters, hat sich wohl auch schon so mancher Arzt verwirklicht…

Nach drei Nächten fahren wir weiter nach Nha Trang. Die Stadt ist lebendig und bietet eine grosse Auswahl an westlichen Gastrobetrieben. Hier treffen wir Annabarbara und Dave (Bruder von Rachel) – sie sind für 6 Monate auf dem Globus unterwegs und wir nutzen die Zeit um uns in Nha Trang auszutauschen. Spannend zu hören, wie es anderen Reisenden ergeht. In Nah Trang fahren wir auch für eine Schnorchel-Session ins Meer hinaus. Wir mieten dazu mit zwei Australiern ein Boot inkl. Driver. Zudem sehen wir auch Raquel und Josephine (die zwei Deutschen) ein weiteres Mal.

Per Nachtbus führt uns unsere Reise am nächsten Tag nach Da Nang. Die 1.1 Millionen Stadt hat einen über 60km langen Sandstrand und wartet mit gewaltigen Brücken auf, welche in der Nacht beleuchtet werden. Wir erwischen nicht das beste Hotel. Das Personal im Sea View kann praktisch kein Englisch – dafür gibt es hinter unserem Zimmer einen Estrich mit Schlangen in Einmachgläsern. Da schläft man doch gleich viel besser… Auf einem Markt verweilen wir uns und werden auf einmal selber zur Attraktion weil wir uns zu einer einheimischen Frauenrunde zum Abendessen setzen.

Nach zwei Tagen entschliessen wir uns nach Hoi An zu fahren. Dort sind wir zu Gast in der Homestay Camellia und erleben Gastfreundschaft in Perfektion! Die Herzlichkeit der Familie ist einfach einmalig und wird wohl nur schwer zu toppen sein. Hoi An ist seinerseits bekannt als frühere Handelsstadt und überzeugt mit einer attraktiven Altstadt mit unzähligen Kleidermachern und Souvenirgeschäften. Dazu gibt’s auch einen Strand. Hier fühlen wir uns gleich viel wohler als in Da Nang. In der Homestay lernen wir Jasmin und Dominik aus St. Gallen kennen. Sie sind ein halbes Jahr auf Reisen. Gleich am ersten Abend speisen wir gemeinsam und die Tiger sind uns hold… man kann schon mal ohne Flip Flops nach Hause kommen ;-). Luki’s Abschied naht und in der Homestay werden wir zum Nachtessen eingeladen. Wir hatten eine super abwechslungsreiche Zeit zusammen welche uns unvergessen bleiben wird. Danke Luki, du warst uns eine unkomplizierte, flexible und immer gut gelaunte Reisebegleitung!!!

Die Gastfamilie lädt all ihre Gäste am Sonntagmorgen zum Frühstück in der Stadt ein inklusive anschliessendem Kaffeehalt – eifach unglaublich! Mit Dominik unternehme ich eine Motorradausfahrt zu den Marple Mountains welche in der Nähe von Da Nang liegen. Eine Spritztour am Strand darf nicht fehlen…Wir bemerken, dass die Fischer ihre Boote an Land holen. In der Zeitung habe ich von einem Taifun gelesen, welcher Indien erreicht hat. Ein Nachzügler soll vom südchinesischen Meer Richtung Vietnam unterwegs sein. Die Motorradtour bringt uns auch noch in einen Park wo wir einmal mehr zur Attraktion werden – ungewollt sogar zum Wohltäter… Mir klebt ein 50’000 Schein (CHF 2.20) an den Flip Flops welche wir kurzerhand den wartenden Kinderhänden überreichen. Retour in Hoi An treffen wir unsere Ladies und fahren zum Abendessen und zum Markt.

Hoi An erlebte dieses Jahr bereits 10 Taifune – doch der Elfte wird der Wildeste und für uns unvergessen bleiben. Nari, so heisst das wirblige Ungemach, hat scheinbar an Stärke gewonnen und macht sich unaufhaltsam mit Zentrum in Da Nang in unsere Richtung auf. Die Einwohner befestigen alles Mögliche und man spürt eine gewisse Hektik. Die Wellen am Strand sind hoch und das Meer extrem unruhig. Es beginnt zu regnen und der Wind nimmt zu. Wir sind froh, in einem ziemlich neuen Haus zu wohnen. Am Abend versorgt uns das Camellia Team mit Abendessen. Scheinbar hat sich nun das Zentrum des Sturms sogar nach Hoi An verschoben. Bereits jetzt peitscht der Wind gegen die Fenster und die knarrenden Geräusche lassen ungutes erahnen. Wir versuchen trotzdem zu schlafen. Mir gelingt dies ziemlich gut – Andrea macht dagegen praktisch kein Auge zu. Um 4 Uhr bin auch ich wach – geweckt durch klopfende, pfeifende und knarrende Windgeräusche. Man könnte meinen, die Fenster halten dem Druck nächstens nicht mehr Stand. Um 6 Uhr besammeln sich alle Bewohner in der Lobby. Bei Jasmin und Dominik stand das Zimmer unter Wasser und auch die Lobby blieb nicht verschont. Unsere Handgepäckrucksäcke im Zimmer hat’s auch erwischt – nass… Draussen kann man schon erste Auswirkungen vom Sturm erkennen. Das Wasser steigt auch auf der Strasse an und erreicht bedrohlich den Eingangsbereich vom Camellia. Das Auto wird sicherheitshalber schon mal weggefahren. Bei allem Leid werden wir bekocht… einfach der Wahnsinn! Der Taifun war auch für die Einwohner einer der stärksten der letzten Jahre. Wir haben heute einen Flug um 15.30h nach HCMC… laut Flugplan soll dieser auch wirklich die Stadt verlassen… wir packen alles zusammen und erleben ein Abschiedsessen mit allen Bewohnern (werden alle geweckt…) und Mitarbeitern. Unvergesslich.

Gin fährt uns zum Flughafen – bald wird klar, dass wir hier nicht so schnell wegkommen. Leider zu schnell war Gin wieder abgefahren inkl. meinem kleinen Täschchen in welchem alle Bankkarten etc. drin sind. Bravo. Ich versuche mittels einem Telefon von einem Einheimischen das Camellia zu erreichen. Doch dort gibt’s noch keinen Strom und eine Natel Nr. haben wir nur von Jasmin und Dominik. Diese nehmen aber das Telefon nicht ab… Unser Flug soll um 22.30 Uhr starten – es bleibt also noch genügend Zeit um noch mal nach Hoi An zu fahren. Als ich bereits am verhandeln bin mit einem privaten Taxi, kommt der Rückruf von Jasmin. Sie haben das Täschchen entdeckt und müssen sowieso wieder zum Flughafen fahren, weil die holländischen Gäste den Zimmerschlüssel aus versehen mitgenommen haben und auch am Flughafen warten… So komme ich wieder zu meiner Tasche und wir trinken noch einen Kaffee gemeinsam mit den Holländern, Gin, Hoa und Jasmin.
Die Zeit bis zum Abflug verbringen wir mit Blog schreiben, lesen und essen. Der Flug wird noch einmal auf 23:15 verschoben. Es ist nicht wirklich klar ob er dann auch fliegt – denn auf der Anzeige steht immer noch „delayed.“ Neue Startzeit ist 01.00. Unglaublich aber wahr… wir verpassen doch tatsächlich fast den Flug, obwohl wir rund 10 Stunden am Flughafen darauf gewartet haben. Plötzlich geht es ganz schnell und wir sind die letzten die den Bus zum Flugzeug besteigen… Last call for flight… hmmm… aber das Glück bleibt uns hold und wir kommen doch noch nach HCMC inkl. Taxitransfer zu unserem Hotel. Um 2.30h sind wir im Bett und ziemlich kaputt…

In HCMC fühlen wir uns wohl. Dennoch möchten wir noch das Mekong Delta besuchen. Wir werden um 8 Uhr abgeholt und fahren mit dem Bus Richtung Mekong Delta. Unterwegs gibt’s einen Halt um drei Buddhas zu sehen und nach einem weiteren Halt in einer Raststätte erreichen wir Myo Tho als Ausgangspunkt für die erste Schiffsfahrt auf dem Mekong. Der Fluss ist riesig, führt viel Wasser und ist braun. Das Schiff führt uns auf eine Insel auf welcher die Kokosnuss im Zentrum steht. Ein wasserfallartiger Regenguss erreicht uns während der Führung und dem Mittagessen. Nach dem Rast geht’s mit einem Longboat durch die Wälder und wir degustieren Früchte und Locals geben uns einen Song nach dem anderen zum Besten. Eine Touri-Tour wie sie im Buche steht. Per Boot geht’s zurück aufs Festland und mit dem Bus weiter nach Can Tho. Dort wird eingecheckt und auf eigene Faust suchen wir uns ein Restaurant. Direkt am Mekong speisen wir und geniessen das Treiben um uns herum. Todmüde fallen wir ins Bett – Tagwache ist 6 Uhr… Nach dem Frühstück geht’s gemeinsam zum Pier um mit dem Boot Flussaufwärts zu fahren. Ziel ist der Floating Market. Dort werden wir bereits von Getränke- und Früchteverkäuferbooten erwartet. Diese binden sich mit ihrem Boot kurzerhand an unserem Boot fest und beginnen mit dem Verkauf… Die grössten Geschäfte auf dem Markt sind wohl schon getätigt aber dennoch kann man verstehen, wie wichtig der Mekong als Handelsroute (4900km lang) für die Länder Thailand, Kambodscha und Vietnam ist. Im Anschluss gibt’s einen Hausbesuch um Reisschnaps zu trinken und in einem Restaurant könnte man Ratten und sonstige Reptilien verzerren. Nach der Retourfahrt gibt’s noch ein Mittagessen und im Anschluss fahren wir rund 5 Stunden zurück nach HCMC. Die ganze Tour kostete pro Person rund CHF 28 inkl. Fahrt, Übernachtung, Frühstück und Programm mit Führung… unglaublich.
Nach einer kurzen Erholungsphase im Hotelzimmer essen wir in einem italienischen Restaurant. Den Abend lassen wir in der belebten Ausgehstrasse Mui Vien ausklingen und beobachten zwei Gaunerpärchen, wie sie zwei Mal einen Touri ausnehmen.

In HCMC haben wir noch zwei Tage bis der Flug nach Bangkok ansteht. Endlich schaffen wir es wieder einmal die Joggingschuhe zu schnüren. Im Park nahe vom Hotel reihen wir uns bei den verschiedenen Sportlern ein. Nebst Joggern gibt es Walker, Tänzer, asiatische Kampfkunst, Badminton, Basketball oder Reckübungen zu beobachten. Die Morgenluft tut gut – dies ist wohl auch der Sinn und Zweck der rund 50 Vogelkäfige, die bei einem Restaurant im Park an verschiedenen Eisenständern hängen. Ungläubig bemerke ich, wie die Käfigbesitzer nach einem Kaffee und einem Schwatz unter (Vogel-)Freunden die Käfige wieder verhüllen und per Motorrad nach Hause kehren. Wir haben einen Kater und die Vietnamesen einen Vogel 😉 …

Vietnam hat uns sehr gut gefallen und ein weiterer Besuch ist bestimmt nicht ausgeschlossen. Zu entdecken wäre ja auch noch der Norden…

Ein Kommentar zu „Vietnam

  1. Hei ihr zwei.
    War cheiben chogen cool mit euch. Wir tun uns schor riesig freuen, wenn mir euch nach euren u huren laaaaaaaangen Reise ein Besüchli im fernen Bern abstatten dürfen.
    Hebt euch soorg, passt ufenand auf, bleibt gsond ond gfräss und tut uns nich vergessen!
    Liebschte (oder liebschtigschte) Grüsse aus Phnom Penh
    Jasmin&Dominik

Hinterlasse einen Kommentar